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Hyperglykämie

Die Hyperglykämie nimmt einen langsameren Verlauf als die Hypoglykämie, wobei sich die Symptome zunehmend verstärken, wen nicht rechtzeitig und therapeutisch angemessen eingegriffen wird. Die auslösenden Faktoren dieser Stoffwechselentgleisung sind bei der Insulinpumpentherapie komplexer und vielfältiger als bei der Spritzentherapie.

Ursachen der Hypoglykämie

Pumpenabhängige Ursachen

Insulinpumpe
- befindet sich im STOP (Pieptöne ausgestellt, Alarme nicht beachtet)

Infusionsset
- leer (Insulin bzw. füllen des Infusionsset vergessen)
- zu lange Liegedauer
- in Verhärtung gelegt
- Rücklauf von Blut/Gewebeflüssigkeit in das Infusionsset: Verstopfung
- unsachgemäße Befestigung an der Insulinpumpe (falsch aufgeschraubt/aufgesteckt)
- Insulin fließt außen am Schlauch zurück

Kanüle
- verrutscht, dann abgeknickt (Teflon)
- aus der Haut gerutscht, weil Pfaster ungenügend befestigt oder sich durch Schwitzen/Wasser gelockert hatte
- zu stark abgeknickt (Teflon)

Defekt der Insulinpumpe (Totalausfall)

Batterie: leer

Ampulle: leer, Riss, Sprung im Glas, Dichtring fehlerhaft

Leck/Loch in der Ampulle, Infusionsset oder Anschlussstelle

Luft in der Ampulle/im Infusionsset


Pumpenunabhängige Ursachen

  • Krankheit (Infektion, Fieber, etc.)
  • Bolus wurde nicht abgerufen
  • Bolus zu niedrig
  • flasch berechnete Kohlenhydrate
  • Basalrate zu niedrig
  • Fehler beim Bedienen der Insulinpumpe
  • mangelnde Bewegung, Bettruhe
  • durch ungenaues Testgerät falsche Blutzuckerwerte
  • keine oder nicht ausreichende Blutzuckermessungen
  • Einnahme zu vieler BE nach Hypoglykämie
  • schlecht gewordenes Insulin (nach Wärme- oder Frosteinwirkung)
  • Medikamente

Therapie

Jeder hohe Blutzuckerwert ist ein Alarmsignal, auf das jedoch nicht blindlings und überstürzt reagiert werden sollte. Um ein Symptom richtig behandeln zu können, muss man zuerst seine Ursache kennen. Ein hoher Nüchternblutzucker kann z.B. auch die Konsequenz einer nächtlichen Unterzuckerung in Form der hormonellen Gegenregulation sein. Wird diese Möglichkeit nicht in Betracht gezogen und die nächtliche Basalrate erhöht, wird die wahre Ursache dadurch nicht beseitigt, sondern noch verstärkt. 

Deshalb muss bei einer Hyperglykämie gezielt nach folgendem Schema vorgegangen werden:

  1. Ursache(n) suchen
  2. Erforderliches Therapieschema überlegen
  3. Gezielt die Ursache beheben
  4. Regelmäßige Blutzucker- und Ketonkörperkontrollen (mindestens alle 2 Stunden) durchführen

Ursachen der Hyperglykämie - Checkliste

1. Infusionsset verstopft
Rückfluss von Gewebeflüssigkeit, Blut oder Insulin; Schmerzen oder Schwellung der Einstichstelle; Verhärtung des subkutanen Unterhautfettgewebes; sinkende Insulinstabilität bei zu langer Katheterliegedauer; Alarm wird von den Insulinpumpen meist zu spät ausgelöst, weil oft 4-6 Einheiten im Schlauch zurückgestaut werden müssen, um den Verstopfungsalarm auszulösen
⇒ Sofortigen Wechsel des Insulinsets vornehmen; abhängig vom aktuellen Blutzuckerwert die entsprechende Insulindosis abgeben

2. Krankheit
Schmerzen, Fieber, Mattigkeit etc.
⇒ Hausarzt aufsuchen und ggf. Kontakt mit dem Pumpenzentrum aufehmen; Insulindosis erhöhen

3. Bolusabgabe vergessen
⇒ Daten-Speicher der Insulinpumpe abrufen
⇒ Vergessenen Bolus abrufen, d.h. abhängig vom aktuellen Blutzuckerwert die entsprechende Insulindosis abgeben

4. Zu geringe Bolusabgabe
Menge eingenommener Kohlenhydrate zu groß, mögliche Verschätzung beim Kohlenhydratgehalt von unbegkannten Speisen (Vorsicht bei postprandialen Werten)
⇒ Abhängig vom aktuellen Blutzuckerwert die entsprechende Insulindosis abgeben

5. Zu geringe Basalrate
Die hohen Blutzuckerwerte treten immer zur gleichen Zeit auf
⇒ Test durch Mahlzeiten-Auslassversuch, danach Erhöhung der Basalrate, soweit erforderlich

6. Falsche Bedienung der Pumpe
⇒ Datenspeicher der Insulinpumpe abrufen und eingegebene Insulinmenge kontrollieren
⇒ Überprüfung der Insulinpumpe - falls die Pumpe gestoppt ist, sofort wieder starten
⇒ Abhängig vom aktuellen Blutzuckerwert die entsprechende Insulindosis abgeben

7. Weniger Bewegung, Bettruhe
⇒ Deutliche Veränderung des Aktivgrades - Erhöhung der Basalrate

8. Falsche Blutzuckerwerte
Messgerät arbeitet womöglicherweise ungenau;
⇒ Messgerät in der Praxis/Klinik mit dem Laborgerät vergleichen (NICHT mit einem anderen Blutzuckermessgerät parallel messen)
⇒ Abhängig vom aktuellen Blutzuckerwert die entsprechende Insulindosis abgeben

9. Blutzuckermessungen nicht vorgenommen
Mangelnde Motivation; Stresssituation; mangelnde psychische Stabilität - wer im Dunkeln ohne Licht fährt, darf sich nicht wundern, wenn er vom richtigen Weg abkommt!
⇒ Abängig vom aktuellen Blutzuckerwert die entsprechende Insulindosis abgeben
⇒ Versuchen, eine zukünftige Verhaltensänderung vorzunehmen. Viele Diabeteszentren bieten auch neben den rein medizinischen Beratungsmöglichkeiten noch zusätzliche therapeutische oder psychologisch begleitende Hilfen an

10. Einnahme zu vieler BE während einer Hypoglykämie
Langfristige Nahrungszufuhr, bis keien Unterzuckerungssymptome mehr auftreten; dadurch entsteht ein ständiger Kreislauf schwankender Blutzuckerwerte zwischen Hypo- und Hyperglykämie.
⇒ Abhängig vom aktuellen Blutzuckerwert die entsprechende Insulindosis abgeben; erfahrungsgemäß ist die Einnahme von 10-30g reiner Glukose und 1-2 langsamer BE zur Therapie einer Hypoglykämie völlig ausreichend

11. Defekt der Insulinpumpe (Bitte die Insulinpumpe nicht wegwerfen!)
⇒ Bei Verwendung einer Accu-Chek Insulinpumpe (außer Accu-Chek Sprit Combo) das Zweitgerät aktivieren und anlegen, falls ein Vorgehen entsprechend den Empfehlungen des herstellers die Pumpe nicht wieder einsetzbar macht. Anschließend die defekte Pumpe an Roche Diagnostics senden.
⇒ Wird eine andere Insulinpumpe benutzt: Kontaktaufnahme mit der Pumpenfirma zwecks Beantragung eines Leihgerätes für die Dauer der Reparatur; bis zum Eintreffen der Insulinpumpe (1-2 Tage) Umstieg auf die ICT

12. Nadel zu stark abgeknickt/verrutscht/aus der Haut gerutscht/ Teflonkaküle abgeknickt
⇒ Wechsel des Infusionssets; Infusionsset füllen, bis Insulin an der Kanülenspitze erscheint
⇒ Bolusabgabe vornehmen und Infusionsset auf Durchgängigkeit überprüfen
⇒ Bei der Fixierung muss die Haut desinfiziert und trocken sein
⇒ Abhängig vom aktuellen Blutzuckerwert die entsprechende Insulindosis abgeben
⇒ Falls eine Teflonkanüle verwendet wird und diese häufiger verstopft, auf Stahlkanülen umsteigen

13. Unsachgemäße Befestigung des Infusionssets
Seitlicher Austritt von Insulin am Adapter, wenn das Infusionsset falsch ins Gewinde geschraubt wird.
⇒ Wechsel des Infusionssets; Vorsicht bei Insulingabe, da duch den Gewebesog bei abgekoppeltem Infusionsset Insulin aus dem Schlauch ins Gewebe gelaufen sein kann (Hypoglykämiegefahr!)

14. Batterie leer
Batteriealarm wird normalerweise gegeben, bevor die Batteriespannung ganz erschöpft ist, so dass genügend Zeit (4-12 Stunden) zum Austausch vorhanden ist.
⇒ Ständig mitgeführte Reservebatterie einlegen
⇒ Abhängig vom aktuellen Blutzuckerwert die entsprechende Insulindosis abgeben

15. Ampulle leer
Eine neue Ampulle sollte eingelegt werden, bevor die Insulinmenge unter 10 I.E. sinkt, da durch nachlassenden Druck in der Ampulle befindliche kleine Luftbläschen Insulinlöcher verursachen können, bevor die Ampulle vollständig leer ist
⇒ Sofortiges Entfernen des Infusionssets aus dem subkutanen Gewebe
⇒ Neue Ampulle einlegen
⇒ Insulinpumpe initialisieren
⇒ Neues Infusionsset anschließen und mit Insulin füllen, bis das Insulin an der Kanülenspitz austritt und abhängig vom aktuellen Blutzuckerwert die entsprechende Insulindosis abgeben

16. Leck/Loch in der Ampulle/dem Schlauch des Infusionssets
⇒ Nasenprobe (Insulin riecht nach Konservierungsmittel) oder zur Überprüfung mit einem feinem Tuch Schlauch und Pumpe abwischen
⇒ Sofortiges Entfernen  des Infusionssets aus dem subkutanen Gewebe
⇒ Ampullenwechsel oder Wechsel des Infusionssets und Füllen des Infusionssets vornehmen
⇒ Abhängig vom aktuellen Blutzuckerwert die entsprechende Insulindosis abgeben

17. Luft im Infusionsset
Ist die Hyperglykämie aufgrund einer Luftblase im Katheter entstanden, so befindet sich die Luft bereits im Körper und ist somit unsichtbar; bei entsprechendem Verdacht müssen Schlauch und Ampulle auf weitere Luftblasen überprüft werden
⇒ Bei positivem Ergebnis dieser Kontrolle müssen Infusionsset und Ampulle ausgetauscht werden
⇒ Abhängig vom aktuellen Blutzuckerwert die entsprechende Insulindosis abgeben

18. Kein Insulin im Infusionsset
Infusionsset wurde gelegt, ohne mit Insulin gefüllt zu sein.
⇒ Wechsel des Infusionssets
⇒ Neues Set erst einsetzen, wenn nach dem Füllvorgang Insulin an der Kanülenspitze austritt
⇒ Dann nochmals sicherheitshalber 1 I.E. Bolus abrufen, die deutlich sichtbar aus der Kanülenöffnung austreten muss

19. Schlechtes Insulin
Kontrolle desVerfalldatums auf Insulinflasche oder Ampulle; Kontrolle des Insulinzustandes: zu große Hintzeeinwirkung kann zu Eintrübung oder Ausflockung der Flüssigkeit führen; war das Insulin gefroren, so ist es ebenfalls unbrauchbar (Vorsicht, dem vorher gefrorenen Insulin sieht man dies nicht an!).
⇒ Einsetzen einer neuen Ampulle und eines neuen Infusionssets mit frischem Insulin
⇒ Wechsel des Infusionssets
⇒ Abhängig vom aktuellen Blutzuckerwert die entsprechende Insulindosis abgeben

20. Medikamente (z.B. Cortison o.ä.)
⇒ Mit dem Pumpenzentrum Kontakt aufnehmen und mit dem betreuenden Diabetologen über mögliche Wechselwirkungen des eingenommenen Medikamentes sprechen und erforderliche Dosiserhöhungen (evt. Basalrate und Bolus) je nach Höhe der Blutzuckerwerte vornehmen

Falls keine der angegebenen Ursachen entdeckt werden konnten, sollte die Insulinpumpe genau überprüft, in jedem Fall ein neues Infusionsset gelegt und anschließend zur Sicherheit engmaschige Blutzuckerkontrollen durchfgeführt werden. Dies gilt auch, wenn die Ursache erkannt und behoben wurde, da der entstandene Insulinmangel durchaus mehrere Gründe haben kann, wenn sich z.B. zu einer sich anbahnenden körperlichen Erkrankung zusätzlich noch ein Pumpendefekt einstellt. Dieser würde nicht entdeckt, wenn der Pumpenträger nur Maßnahmen gegen die erste Ursache ergreift.

Wenn die Symptome einer Hyperglykämie nicht oder fehlerhaft behandelt werden, kann sich daraus im schlimmsten Fall eine Ketoazidose entwickeln.

Fazit: Eine angewandte Therapieform kann nur dann dauerhaft erfolgreich sein, wenn sie kontinuierlich auf ihre Effektivität hin überprüft wird.

Quelle: Insulinpumpenfibel von Ulrike Thurm