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Bolusgaben

Mahlzeiteninsulin

Das mahlzeitenabhängige Insulin wird bei der ICT in Form von kurzwirksamen Normal- oder Analog-Insulin mittels Spritze oder Pen, je nach aktuellem Blutzucker mit einem gewissen Spritz-Ess-Abstand vor den Mahlzeiten, in eine "schnelle" Spritzstelle (Bauchdecke) gegeben, bei der Insulinpumpe durch die so genannten Bolusgaben.

BE - Faktor

In der ICT errechnet man die Menge des Mahlzeitinsulins unter Zuhilfenahme so genannter "BE-Faktoren". Der BE-Faktor ist die Menge an schnellwirkendem Insulin, die benötigt wird, um eine Broteinheit abzudecken. Der jeweils pro BE benötigte Einheitenbedarf ist individuell und von mehreren Faktoren abhängig. Aufgrund der im Tagesverlauf schwankenden Insulinempfindlichkeit werden in aller Regel morgens und abends mehr Einheiten pro BE benötigt als mittags und spätabends.
BE-Faktoren von mehr als 3,0 IE schnellwirkendem Insulin pro BE sind selten nötig (z.B. in der Pubertät) und sollten immer Anlass zur Überprüfung der Therapie sein, insbesondere der Basalrate.
Durch engmaschige Blutzuckerkontrollen vor dem Essen sowie 2 und 4 Stunden nach der Mahlzeit lässt sich der Bolusinsulinbedarf ermitteln. Hierbei sollten im Idealfall die Blutzuckerwerte 2 Std. nach der Mahlzeit unter 160 mg/dl und nach 4-5 Std. wieder im Zielbereich, also unter 120 mg/dl liegen.

Spritz-Ess-Abstand

Zwischen der Normalinsulininjektion und dem ersten Bissen sollte eine gewisse Zeit abgewartet werden, der so genannte Spritz-Ess-Abstand (SEA). Dieser ist individuell verschieden und abhängig vom Blutzuckerausgangswert und eventuell auch von der Tageszeit. Zu Zeiten, in denen der Körper insulinempfindlicher ist , z.B. am Morgen vor dem Frühstück, wird oft ein längerer SEA benötigt als zum Mittagessen. Wartezeiten über 45 Minuten sollte es nicht geben!

Zwischenmahlzeiten

Ein Vorteil der ICT mit Normalinsulin ist, dass Zwischenmahlzeiten in den Tagesplan mit eingeplant werden können, aber nicht müssen.
Der BE-Faktor einer Zwischenmahlzeit errechnet sich als der MIttelwert der BE-Faktoren der "benachbarten" Hauptmahlzeiten.

Korrekturinsulin

Das vor der Mahlzeit gegebene schnell wirkende Insulin erfüllt neben dem "Abdecken der BE" noch eine andere Aufgabe. Es dient der Korrektur erhöhter Blutzuckerwerte in den Zielbereich hinein.

Zielblutzucker

Dieser Zielblutzucker wird individuell festgelegt, sollte jedoch zwischen 80 und 120 mg/dl nüchtern bzw. vor den Mahlzeiten, und 140 bis 160 mg/dl 2 Std. nach den Mahlzeiten liegen. Nur dann ist die Stoffwechselführung wirklich nahe-normoglykämisch, d.h. der Blutzuckerlangzeitwert, der HbA1c, liegt im Normbereich.
Gelegentlich erhöhte Blutzuckerwerte werden sich auch bei bestem Bemühen nie vermeiden lassen, weil sich viel mehr auf Körper und Seele und damit auch auf den Blutzucker auswirkt, als nur die Aufnahme von Kohlehydraten.
Für die ICT bedeutet dies, zu wissen, um wie viel mg/dl der Blutzucker durch eine Einheit Normalinsulin oder Kurzzeit-Analog-Insulin gesenkt wird.

Korrekturregeln

Folgendes muss beachtet werden:

- Bei einer Stoffwechselentgleisung mit Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen kann eine Verdoppelung der Korrekturgaben nötig sein. Ist Azeton im Urin, sind freie Fettsäuren im Blut, die zu einer relativen Insulinempfindlichkeit führen. Der Nachweis von Azeton erfordert also ein Mehr an Korrekturinsulin.

- Blutzuckerkorrekturen mit Normalinsulin sollten jeweils nur zu den Hauptmahlzeiten und vorsichtig vor dem Zubettgehen erfolgen, denn die blutzuckersenkende Wirkung hält mehrere Stunden an.
Es empfiehlt sich daher, zwischen zwei Blutzuckerkorrekturen mit Normalinsulin einen Abstand von 4-5 Std. einzuhalten, um nicht über das Ziel hinaus in eine Unterzuckerung hineinzukorrigieren.

- Verwendet man ein Kurzzeit-Analog-Insulin, kann und muss sogar häufig zwischen den Mahlzeiten  korrigiert werden, da dieses Insulin bereits nach 3-4 Std. keine blutzuckersenkende Wirkung mehr hat.

Das schnell wirkende Insulin dient in der ICT zum einen der Abdeckung von Kohlehydraten als Mahlzeiteninsulin, zum anderen der Korrektur erhöhter Blutzuckerwerte als Korrekturinsulin.

Quelle: aus dem Schulungsbuch für Diabetiker von Gerhard-W. Schmeisl