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Injektion

Das Vorgehen bei der Injektion

Das Insulin wird ins Unterhautfettgewebe injiziert. Man hält die Nadel senkrecht oder im Winkel bis zu 45 Grad je nach Länge der Nadel und Dicke der Hautfalte. Vor dem Spritzen wird eine Hautfalte zwischen Daumen bzw. Zeige- und Mittelfinger (nicht die ganze Hand benutzen) gebildet, da an Spritzstellen mit wenig Unterhautfettgewebe das Insulin sonst zu tief – in die Muskelschicht -  geraten könnte, was zu Unterzuckerungen und schwankenden Blutzuckerwerten führen könnte. Die Hautfalte muss während des Spritzens gehalten werden.

Die Funktion des Pens sollte vor jeder Injektion unbedingt überprüft werden. Dazu wird der Pen mit der Nadel senkrecht nach oben gehalten und 1-2 IE abgegeben, bis ein Tropfen Insulin an der Kanülenspitze erscheint. Gleichzeitig kann man mit dem Finger gegen den Pen „schlagen“, so dass sich die evtl. vorhandene Luft oben im Konus sammelt und so entfernt wird.

Wird trübes Insulin, also Misch- oder bestimmtes Verzögerungsinsulin verwendet, muss dieses vor dem Spritzen aufgemischt werden. Dazu muss der Pen mindestens 10-20-mal geschwenkt oder zwischen den Händen gerollt werden. Geschieht dies nicht, kann es leicht passieren, dass mehr Lösungsmittel i8ns Insulin gespritzt wird.

Das Insulin sollte grundsätzlich langsam injiziert werden und die Nadel anschließend noch für 10 Sekunden im Unterhautfettgewebe belassen werden – andernfalls läuft ein Teil des Insulins wieder aus dem Stichkanal zurück. Die Injektionsstellen sollten regelmäßig gewechselt werden.

Injektionsstellen

Besonders geeignete Injektionsstellen sind:

  • Bauch – schnellste Insulinaufnahme
  • Gesäß – langsame Insulinaufnahme
  • Oberschenkel – langsame Insulinaufnahme

Ungünstige Spritzstellen sind die Oberarme, da hier kaum mit einer Hand eine Falte des dünnen Unterhautfettgewebes gebildet und Insulin gespritzt werden kann. Es besteht hier die Gefahr, dass das Insulin in den Muskel gespritzt wird, und nicht, wie gewollt, ins Unterhautfettgewebe. Das Insulin wirkt so sehr viel schneller (Gefahr der Unterzuckerung) und außerdem bilden sich sehr rasch Verhärtungen (Nekrosen).

Langzeit-Insuline sollten in den Oberschenkel injiziert werden. Eine Ausnahme bildet hier evtl. das Insulin Lantus, das im Bauch noch gleichmäßiger und länger wirken soll.  

Injektionsstellen wechseln

Durch häufiges Spritzen an dieselbe Stelle („Lieblingsstellen“, weil es da nicht mehr schmerzhaft ist) kommt es zu Gewebeschäden (z.B. Verhärtungen, Fettgewebsanhäufungen, Dellen), die eine sichere, rasche und gleichmäßige Insulinwirkung behindern können. Die Wirkung des Insulins ist dann nicht mehr kalkulierbar. Folge ist ein unregelmäßiger, häufig ein extrem zunehmender Insulinbedarf, oft begleitet von starken Blutzuckerschwankungen.

Die Spritzstellen sollten sowohl am Bauch als auch am Oberschenkel in horizontaler und vertikaler Richtung im Abstand von etwa 2-3 cm gewechselt werden. Auch die Flanken am Bauch sollten genutzt werden. Man sollte soweit seitlich gehen, wie man selbst mit der einen Hand eine Falte bilden und mit der anderen Hand spritzen kann. 

Beeinflussung des Wirkungseintritts

Durch die Auswahl verschiedener Spritzstellen kann die Insulinverteilung im Körper beschleunigt oder verlangsamt werden:

Injektionsstellen mit beschleunigtem Wirkungseintritt: Bauchdecke, oberhalb des Nabels und an den Bauchseiten

Injektionsstellen mit verlangsamten Wirkungseintritt: Oberschenkel

Daher empfehlen sich bestimmte Spritzstellen zu bestimmten Zeiten.

Weitere Möglichkeiten, eine schnellere Insulinwirkung zu erzielen sind:

  • Bewegung, besonders der Muskelgruppe in der Nähe der Injektionsstellen
  • Heiß baden, duschen oder Rheumasalben
  • Sauna
  • Wärmflasche
  • Reiben der Spritzstellen

Unerklärliche Blutzuckerschwankungen

Gründe für unerklärliche Blutzuckerschwankungen können sein:

  • Das Spritzen in Lipohypertrophien, oder Lipoatrophien, weil das Insulin dann nicht mehr gleichmäßig weitertransportiert wird und somit die Wirkung nicht kalkulierbar ist.
  • Beim Verbleiben der Injektionsnadel auf dem Pen zwischen den einzelnen Injektionen kann sich Luft in der Insulinampulle bilden, welches evtl. zum falschen Aufziehen der Dosis führt.
  • Auslaufen von Insulin aus der Patrone, was insbesondere bei Mischinsulinen zu einer Verschiebung des Mischungsverhältnisses der einzelnen Bestandteile führt.
Quelle: aus dem Schulungsbuch für Diabetiker von Gerhard-W. Schmeisl